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Dermatologie in Österreich: Moderne Therapien revolutionieren die Patientenversorgung

Dermatologie in Österreich: Moderne Therapien revolutionieren die Patientenversorgung

„Hautkrankheiten sind manchmal lebensgefährlich, oftmals sind sie zwar harmlos, aber trotzdem beeinträchtigend, weil es dabei oft um die Lebensqualität geht“, sagt Univ.-Prof. Dr. Matthias Schmuth, Leiter der Universitätsklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie in Innsbruck und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV). „Man hat bereits in Studien die Beeinträchtigung der Lebensqualität bei Patienten mit Psoriasis mit jenen, die an Herzinsuffizienz leiden, verglichen. Dabei hat man festgestellt, dass die im Vergleich zu Herzinsuffizienz harmlosere Psoriasis subjektiv eine genauso starke Beeinträchtigung der Lebensqualität zur Folge hat wie die viel gefährlichere Herzinsuffizienz“, warnt der Innsbrucker Professor für Dermatologie.

Eine solche Erkrankung, deren Folgen sich auf die Lebensqualität besonders negativ auswirken, ist Psoriasis. „Psoriasis oder Schuppenflechte ist eine der häufigsten chronisch-entzündlichen Erkrankungen. Sehr viele Menschen leiden darunter, oft über viele Jahrzehnte hinweg. Ungefähr drei Prozent der Menschen in Österreich sind von Psoriasis betroffen, manche schon von Jugend an. Aber auch im jungen Erwachsenenalter gibt es einen zweiten Gipfel, wo Schuppenflechte oft auftritt“, erklärt ao. Univ.-Prof. Dr. Gudrun Ratzinger von der Universitätsklinik für Dermatologie in Innsbruck. Bei der Behandlung von Psoriasis richten sich die Dermatologen nach einem Stufenschema. „Zuerst beginnt man mit einer Lokal-Therapie, d.h. mit Cremen, Basis-Pflegeprodukten, wirkstoffhältigen Cremen, Kortison-Cremen oder Vitamin-D-Cremen bzw. Salben. Wenn das nicht ausreicht, geht man auf die zweite Stufe. Das ist die Lichttherapie: 
Das Sonnenlicht kann stark entzündungshemmend wirken. Wenn auch das nicht ausreicht oder die Schuppenflechte stark ausgeprägt ist, geht man auf die Systemtherapie über“, so Ratzinger.

Fortschritte bei Systemtherapeutika

Gerade bei den Systemtherapeutika gab es in den letzten Jahren nahezu revolutionäre Therapiefortschritte – vor allem bei der Behandlung von Psoriasis. Zu diesen neuen Methoden gehören insbesondere Biologika. „Biologika sind eine Substanzklasse, die darüber definiert ist, wie sie produziert werden“, erklärt Prof. Schmuth. „Sie werden im Labor durch Verwendung von Zellen hergestellt – sind also biologisch produziert. Wenn man über die Biologika bei der Psoriasis spricht, dann geht es darum, Entzündungsstoffe gezielt zu hemmen. Man hat herausgefunden, welche Entzündungsstoffe bei der Psoriasis eine zentrale krankheitsbestimmende Rolle spielen, und hat Medikamente entwickelt, bei denen man Zellkulturen verwendet und damit Biologika herstellt, die ganz gezielt diese Entzündungsstoffe hemmen können“, so Schmuth.

Kein Wunder, dass es für Österreichs Dermatologen ein Anliegen ist, diese innovativen Therapien in der Praxis zu forcieren – vor allem für die Behandlung von mittelschwerer und schwerer Psoriasis. „Zum einen müssen wir im Bereich der praktischen Ärzte die Awareness für diese Erkrankung und vor allem für die neuen Therapiemöglichkeiten erhöhen. Die Umfragen zeigen, dass viele Psoriasis-Patienten gar nicht beim Dermatologen, sondern bei ihrem Hausarzt bleiben. Dort die Awareness zu schaffen, dass es sehr potente neue Medikamente gibt, ist für mich sehr wichtig. Der andere Schwerpunkt muss bei den niedergelassenen Dermatologen liegen. Wir müssen sie ermutigen, diese neuen Therapeutika zu verordnen. Wir müssen also auch bei Dermatologen das Bewusstsein schaffen, dass die neuen Behandlungsmöglichkeiten sehr nebenwirkungsarm und dadurch nicht nur für Spezialambulanzen geeignet sind“, erklärt Dr. Leo Richter, Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Oberarzt an der Abteilung für Dermatologie und Venerologie in der Krankenanstalt Rudolfstiftung und der neue Präsident der Arbeitsgruppe Biologika in der ÖGDV.

Aufklärung der Patienten wichtig

Ein wesentlicher Vorteil von Biologika in der Behandlung von Psoriasis ist die Tatsache, dass sie in sehr vielen Fällen eine fast komplette Erscheinungsfreiheit ermöglichen. Doch es gibt bei der Aufklärung der Patienten und der Gesamtbevölkerung großen Nachholbedarf. „Es ist immer noch der Fall, dass Menschen mit Psoriasis aus einem öffentlichen Bad hinausgeschmissen werden, weil man damit argumentiert, dass andere Badegäste nicht wissen, dass es eine nicht ansteckende Erkrankung ist. Das sollte heutzutage nicht mehr passieren“, appelliert Richter. In letzter Zeit haben sich verschiedene Kampagnen, unter anderem auch die aktuell laufende Initiative „Psoriasis“, zum Ziel gesetzt, Awareness zu schaffen, dass Psoriasis einerseits nicht ansteckend und andererseits mittlerweile sehr gut behandelbar ist.

„Es ist generell in der modernen Medizin sehr wünschenswert, dass die Patienten gewisse Vorinformation über ihre Erkrankung und auch über die Möglichkeiten der Therapie haben. Der informierte Patient ist grundsätzlich der bessere Patient. Man kann mit ihm offener diskutieren und in Form einer informierten Einwilligung vereinbaren, welche Therapien für ihn die besten wären. Selbstverständlich sollen dabei auch Biologika angesprochen werden“, sagt Prim. Univ.-Prof. Dr. Robert Müllegger von der Abteilung für Dermatologie und Venerologie am Landesklinikum Wiener Neustadt.

Aus diesem Grund appellieren führende Dermatologen Österreichs, zum Hautarzt zu gehen. „Eine wichtige Botschaft ist, dass man zum Hautarzt geht und die vom Hautarzt verordnete Therapie durchzuführen versucht. Das ist gar nicht so einfach, wenn man eine Krankheit hat, die chronisch ist und man sie ständig behandeln soll. Aber da konsequent zu sein, bringt viel“, appelliert Dr. Gudrun Ratzinger.

Neurodermitis und Heuschnupfen besser behandelbar

Auch im Bereich der Allergologie sind Biologika dabei, die Versorgung der Patienten zu revolutionieren. „In Österreich und anderen Industrieländern haben Inhalationsallergie und Neurodermitis stark zugenommen, man kann davon ausgehen, dass heute etwa 20 bis 25 Prozent der jungen Erwachsenenbevölkerung an einem Heuschnupfen, einer Hausstaubmilben-Allergie, einer Tierhaarallergie oder Neurodermitis leiden“, sagt ao. Univ.-Prof. Dr. Norbert Reider von der Universitätsklinik für Dermatologie in Innsbruck und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Allergologie in der ÖGDV. „Man rechnet damit, dass etwa 20 Prozent aller Heuschnupfenallergiker und 30 – nach bestimmten Studien bis sogar 50 Prozent – aller Hausstaubmilbenallergiker früher oder später Asthma entwickeln“, warnt Reider. Eine frühzeitige Behandlung mittels spezifischer Immuntherapie (Hyposensibilisierung) kann diese Allergien heilen. Auch eine prophylaktische Impfung scheint in Greifweite zu sein. Biologika haben die Behandlung von Asthma bronchiale massiv verbessert. Auf dem Gebiet der chronischen Urtikaria (Nesselsucht) ist seit drei Jahren ein Antikörper zugelassen, der bei einem Großteil der Patienten fast schlagartig zu einer Beschwerdefreiheit führt.

Auch im Bereich Neurodermitis werden laufend neue Systemtherapeutika entwickelt: „Hier gibt es ebenfalls auf dem Gebiet der Biologika neue Entwicklungen. Das erste dieser Präparate ist gerade erst im September zugelassen worden und wird wahrscheinlich Mitte des kommenden Jahres in Österreich verfügbar sein. Es sind auf dem Gebiet der Neurodermitis auch andere Medikamente in Entwicklung, bei denen man mit völlig neuen Therapien in Tablettenform mit großer Wahrscheinlichkeit sehr gute Erfolge erzielen wird, ohne die früheren Nebenwirkungen gleichzeitig damit in Kauf nehmen zu müssen“, erklärt Reider.

Die Dermatologie in Österreich ist seit Jahrzehnten ein sehr forschungsstarkes Fach. Die therapeutischen Fortschritte, die man in den letzten Jahren etwa in der Behandlung von Psoriasis oder Neurodermitis verzeichnet, sind auch der Forschung in Österreich zu verdanken. „Diese Behandlungsmöglichkeiten sind nur möglich, wenn man die Entzündung im Detail versteht und weiß, welche Entzündungsmediatoren man hier mit den Medikamenten anzielen muss. Ich glaube, dass die Forschungsstärke, die wir hier in Österreich haben, sehr wesentlich dazu beigetragen hat. Das sollte man nicht vergessen. In der dermatologischen Forschung gibt es noch sehr viel zu tun, weil noch eine ganze Reihe von Hauterkrankungen existiert, die bislang noch nicht so gezielt und so gut behandelt sind, wie es jetzt bei der Psoriasis oder Neurodermitis möglich geworden ist“, erklärt Prof. Matthias Schmuth einige zukünftige Herausforderungen in der dermatologischen Forschung in Österreich. „In Zukunft werden wir für weitere Hauterkrankungen gezielte Therapien zur Verfügung haben. Ich glaube, dass Kombinations- oder sequenzielle Therapien große Erfolge erzielen werden“, summiert Schmuth.

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